Flussperlmuschel - Margaritifera margaritifera (LINNAEUS, 1758)

 

FlussperlmuschelDie Flussperlmuschel gehört zur Familie der Flussperlmuscheln (Margaritiferidae) in der Ordnung der Flussmuschelartigen (Unionoida). Sie zählt zu den größten einheimischen Süßwassermuscheln, kann eine Länge von 16 cm erreichen und bis 120 Jahre alt werden. Die Muschel hat nierenförmige Schalen, die außen eine rostbraune bis teils dunkelschwarze Färbung besitzen.

Die Schalenhälften sind sehr dickwandig und haben innen eine weiße, teils auch bläulich oder rosa schimmernde Perlmuttschicht. Bei älteren Muscheln ist die Schalenaußenseite meist korrodiert, was an dem in der Regel leicht sauren Wasser der Bäche liegt. Die Flussperlmuschel besiedelt kalkarme, schnell fließende, sommerkühle und sauerstoffreiche Bäche und Flüsse der Forellenregion. Als Besiedlungsraum benötigt sie gut durchlüftete und solide geschichtete Sohlsubstrate wie Feinkies oder feineren Schotter. Die Flussperlmuschel stellt dabei sehr hohe Ansprüche an die Wasserqualität.

Die Flussperlmuschel gehört zu den Filtrierern. Mit Hilfe ihrer Kiemen filtrieren sie Detritus, Bakterien und Plankton aus dem Atemwasser. Jungmuscheln ernähren sich zuvor in den ersten Monaten mittels des bewimperten Fußes.

Die Tiere werden im Alter von 12 bis 15 Jahren geschlechtsreif und pflanzen sich unter günstigen Bedingungen getrenntgeschlechtlich fort. Die männlichen Muscheln geben die Spermien ins freie Wasser ab. Über das Atemwasser gelangen die Spermien in Mantelhöhle der weiblichen Tiere und befruchten die Eizellen. Bei zu geringen Individuendichten können sich Weibchen zu Zwittern umbilden und sich selbst befruchten. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich kleine Muschellarven (Glochidien, Größe 0,04-0,07 mm). Diese werden dann im Sommer ins freie Wasser abgegeben. Es können von einem Weibchen pro jährlichen Fortpflanzungszyklus bis zu 4 Millionen solcher Glochidien abgegeben werden.

JungmuschelnDie Larven (Glochidien) setzten sich auf den Kiemen von Wirtsfischen (Bachforellen) fest und parasitieren dort bis zu 10 Monate. Im Frühjahr/Frühsommer des Folgejahres fallen sie als kleine, voll entwickelte Jungmuscheln (0,5-0,7 mm) ab und vergraben sich für die ersten Lebensjahre im Sohlsubstrat des Fließgewässers und wachsen dort weiter heran.

Heute ist die Flussperlmuschel stark gefährdet und in ihrem Bestand extrem zurückgegangen. Gewässerbelastungen durch Einträge von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, Abwässern aber auch Schwermetallbelastungen wirken sich negativ auf den Bestand und die Reproduktion aus. Sedimentbelastungen von umliegenden intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen stellen ein großes Gefährdungspotential dar. Besonders gefährdet sind die Jungmuscheln, die ihre ersten Lebensjahre eingegraben im Sohlsubstrat verbringen und für die eine gute Sauerstoffversorgung überlebenswichtig ist. Die Feinsedimenteinträge verstopfen das Lückensystem im Substrat oder überziehen es gar komplett. Dadurch werden die Nährstoff- und vor allem die Sauerstoffsättigung des Substrats so negativ gestaltet, dass die Jungmuscheln absterben. Zudem beeinflussen verbaute und unnatürliche Gewässerstrukturen die Flussperlmuschel direkt und indirekt negativ. Zum einen fehlt Lebensraum, wenn natürliche Strukturen nicht vorhanden und stattdessen Gewässersohlen gepflastert sind. Zum anderen beeinflussen ungünstige Gewässerstrukturen auch die Individuendichte der Bachforelle negativ, auf die die Flussperlmuschellarven (Glochidien) als Zwischenwirt angewiesen sind. Alle diese negativen Faktoren bewirken, dass der Reproduktionserfolg immer mehr abnimmt. Dies ist angesichts der überalterten rezenten Muschelbestände eine große Gefährdung für den Fortbestand der Flussperlmuschel.