Bestandssituation - Dramatischer Rückgang der Äsche

Mit der rasanten Bestandszunahme des Kormorans in Sachsen ab dem Jahr 2000 erhöhte sich der Prädationsdruck auf die Äsche enorm. Prädationsdruck ist der Einfluss eines Freßfeindes, der auf die Individuendichte der Beutetierart ausgeübt wird. Die weiter ansteigenden Individuenverluste durch Kormoranfraß über alle Altersklassen hinweg konnte die Äsche nicht mehr durch die Reproduktion kompensieren. So brach 2003 der Bestand massiv ein. Die Zahl reproduktionsfähiger Äschen nahm ab und Jungäschen wurden in großer Zahl bereits vor der Geschlechtsreife Opfer des Kormoran. Nach weiterem stetigen Rückgang brach 2010 der Äschenbestand so stark ein, dass man 2011 festhalten konnte: „Es ist 5 Minuten vor 12!“

Befischung sächsischer Fließgewässer im Rahmen der EU-WRRL 2010

Jahresbericht LfULG, Abteilung 9, Referat Fischerei

Auszug zur Situation der Äsche:

„[…] Das der Nachweis von nur 3 Äschen in insgesamt 2 Gewässern gelang, ist ein weiterer Hinweis für den massiven, landesweiten Rückgang der Äschenbestände (siehe Abb.1 und Anhang). Nachweise von hohen Äschenbeständen, wie sie bis vor wenigen Jahren in vielen Gewässern, hauptsächlich in Südwest-Sachsen gelangen, wurden 2010 nicht bestätigt (VÖLKER & SCHILLER, 2007; VÖLKER & VOLKMANN, 2008, 2009). So konnten 2007 noch über 100 Äschen im Schwarzwasser unterhalb der Wehranalage Nickelhütte (Stadtgebiet Aue/Erzgebirge) nachgewiesen werden - dieses Jahr nicht ein einziges Exemplar, trotz umfangreicher Renaturierungsmaßnahmen. Wiederholungsfänge gelangen in der Mandau, der Lausitzer Neiße und einigen Abschnitten der Freiberger Mulde ebenfalls nicht. Gespräche mit dem jeweiligen Fischereirechtausübungsberechtigten (Anglerverbände) und einigen Anwohnern ergaben Hinweise auf zunehmende Kormoranbestände in den zurückliegenden Winterhalbjahren (Schwarzwasser, Lausitzer Neiße), aber auch Ereignisse mit starken Abwasserverschmutzungen (Mandau, Lausitzer Neiße) wurden genannt. Mit den ansteigenden Kormoranbeständen wird, verständlicherweise, durch die Anglerverbände weniger Besatzmaterial in die Fließgewässer (Schwarzwasser) eingebracht. Auch dies ist ein weiterer Grund für die Abnahme der Äschenbestande.[…]“.

Befischung sächsischer Fließgewässer im Rahmen der EU-WRRL 2011

Jahresbericht LfULG, Abteilung 9, Referat Fischerei

Auszug zur Situation der Äsche:

„[…] Das während der diesjährigen Erhebungsphase und trotz dessen Verteilung der Messpunkte (siehe 2.1.), der Nachweis von insgesamt nur zwei Äschen an einem Messpunkt im Löbauer Wasser gelang, ist ein wiederholter Hinweis für den massiven, landesweiten Rückgang der Äschenbestände (siehe Abb.1 und Anhang) und bestätigen damit die Erfahrungen aus den letzten Jahren. Funde im Einzugsgebiet der Zwickauer und Freiberger Mulde wären zu erwarten gewesen. […]“

Für die Anglerverbände in Sachsen stand sofort fest, dass es zu handeln gilt. Es bleibt keine Zeit für Studien und Untersuchungen. Es helfen nur noch pragmatische Arbeitsansätze und das aktive Handeln. Im September 2011 wurde in der Gewässerordnung des LVSA das Schonmaß der Äsche gegenüber dem Sächsischen Fischereigesetzt um 5 cm von 30 auf 35 cm angehoben, damit die einzelnen Individuen in ihrem Lebenszyklus die Chance zu mindestens 2 Reproduktionsperioden haben.

Um den Prädationsdruck auf die Äsche und den gesamten Fischbestand der heimischen Fließgewässer überhaupt etwas abmildern zu können, bemüht sich der AVS um intensive Kooperationen mit Jägern, die im Rahmen der Sächsischen Kormoranverordnung Vergrämungsabschüsse an den Flüssen durchführen.

Ein weiteres Problem ist der Verlust an Reproduktionshabitaten durch den Betrieb von sehr vielen Kleinwasserkraft an den Flüssen. Stauhaltung und veränderte Abfluss- und Strömungsverhältnisse überformen über Kilometer die natürlichen Flussabschnitte, wodurch die Reproduktionsbereiche zerstört werden. Zudem leiden die oft langen Ausleitungsstrecken an Wassermangel, was weitere Stressfaktoren und Habitatverluste mit sich bringt.

Darum hat sich der AVS das ehrgeizige Ziel gesetzt, aus noch vorhandenen Äschenbeständen Nachwuchs für Laicherstämme zu gewinnen. Diese Laicherstämme in fischereilischer Haltung liefern dann Eier und Sperma für eine gezielte Erbrütung von Äschenbesatz. Die große Herausforderung ist dabei, reproduktionsreife Äschen zu finden und abzufangen. Parallel dazu kämpft der Verband für den Erhalt natürlicher Fließgewässerbereiche, die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und ein Kormoranmanagement zur Brut- und Bestandsregulierung.